Ein Heide Im Kloster, oder ZUKinis im Einsatz: Vogelkiek im oberbayerischen Klosterland
Montag, 12. November 2012
Vogelkiek im oberbayerischen Klosterland
Servus..
In letzter Zeit war ich oft in unserer Vogelbeobachtungsstation "Moosmühle". Das ist ein kleiner alter Stadel zwischen Fahrweg und bewirtschaftetem Land.
Auf einem Streifen von ungefähr 5 auf 20 Metern befindet sich dort ein Vogelparadies von auffallender Artenvielfalt und Seltenheit.
Das Areal ist durch einen Zaun mit Sehschlitzen und durch den begehbaren Stadel vom Weg getrennt.
Auf dem Areal fließt ein kleiner Bach, der dem Eisvogel als Jagdgrund und der seltenen Wasserralle als Heimat dient. Überall befinden sich eine große Anzahl an Futterstellen.
Weil diese Station weit und breit die einzige Futterstelle mit ausreichend Nahrung für die vielen seltenen Vögel des renaturierten Klosterlandes ist, ist die regelmäßige Winterfütterung von großer Wichtigkeit, da viele Vögel sonst in Gegenden mit weniger Schnee oder in wärmere Regionen abwandern würden.
So sind in einem Abstand von wenigen Metern Berg-,Buch- und Grünfinken, Weiden-/Sumpf-,Kohl- und Blaumeise, Goldammern, Feldsperlinge, Amseln, Kleiber,Bunt- und Grauspecht, Wasserralle, Zaunkönig, Rot- und Braunkehlchen, Gimpel, Stieglitz und Eisvogel neben Kornweihen, Bussarden, Habichten, Flaken und Sperbern zu beobachten. Außerdem trotzt immer noch unser Storchenelternpaar dem Wetter und kann ab und zu in seinem Nest auf dem Klosterdach im Schnee bestaunt werden.
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Vogelleben in Benediktbeuern.
Es ist auf jeden Fall sehr schön den kleinen Wichten bei ihrem Streit um einen der ca. 50000 rumliegenden Sonnenlumenkerne zu beobachten.

Aber das Thema Vogelfütterung ist, gerade wenn es in solch großem Stil geschieht, natürlich ein sehr kontroverses Thema.
Eigentlich nimmt man ja den Vögeln den Zwang sich selbst Futter zu suchen und greift außerdem in die natürliche Selektion ein, weil die Vögel nicht mehr gute Sucher oder geschickte Räuber sein müssen und sie außerdem durch die Fütterung durch den Menschen in die Städte gelockt werden und dort oft auch lernen zu überwintern.
Aber es sei auch gesagt, dass viele Vögel vor allem im Winter nichts mehr finden, weil der Mensch so stark in die Natur eingreift.
Hier sind große ehemalige, von Rohrkolben und anderen Doldenblütlern bestandene, Moorflächen heute vom Menschen extensiv genutzte Wiesen, auf welchen die Vögel im Winter keine Chance auf Futter haben. Nur noch wenige Flächen bieten im Winter Samenreste oder ähnliches.
Das heißt, hier in Benediktbeuern muss die natürliche Nahrung für die Vögel, welche durch den Menschen zerstört wurde, durch künstliche Fütterung ersetzt werden, um zu verhindern, dass die Vogelpopulationen noch kleiner werden und den Vögeln wieder die Möglichkeit zu bieten, die Winter in ihrer Heimat, ohne erzwungenes Zugverhalten, zu verbringen.
Na denn, ich wünsche unseren Vögeln einen schönen Herbst!

Hier der Link zu einem Video von unseren Störchen im ersten Neuschnee auf dem Klosterdach: http://www.youtube.com/watch?v=eKSJC-DFAgI&feature=plcp

Greets
Mr. Nanda

... comment

 
Vogelnarren
Hallo Philipp,

Ich finde es großartig zu wissen, dass nicht nur hier in Nordfriesland einige Schulabgänger zu Ornithologen mutieren. Ob gewollt oder nicht, mit Vögeln beschäftigt sich hier oben fast jeder.
Euer Projekt mit der Winterfütterung in Bene finde ich sehr interessant !
Normalerweise gilt bei uns ja auch : "Natur Natur sein lassen !" , d.h. man versucht menschliche Eingriffe in die Ökologie zu vermeiden.
Diskussionen über das Brechen dieses Vorsatzes werden immer duch Menschlich-Verschuldetes vom Zaun gebrochen.
Bei dir speziell ist es das verringerte Nahrungsangebot, was den Vögeln das Leben schwer macht.
Hier oben gibt es z.B. viel Diskussionen um die Prädatorenjagd.
Beispiel:
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auf Sylt der Hindenburgdamm als Verbindung zum Festland gebaut. Dieser Damm hatte zu Folge, dass Prädatoren wie der Fuchs auf die Insel gelangen konnten. Die Vögel hatten bis dahin jedoch nie solch eine Gefahr zu befürchten, da Füchse auf Sylt nicht vorkamen.
Deswegen werden Füchse auf Sylt (auch in vielen anderen Bereichen wie Trischen, St. Peter-Ording, Eiderstedt etc.) aktiv geschossen.
Andernfalls würden tausende Vögel von Räuberei betroffen sein.

Jedenfalls... schön dass ihr euch auch für Vögel interessiert. Ich freue mich schon die vielen Singvögel beobachten zu können.
Ob Austernfischer oder Eisvogel. Vögel sind spannend. Deswegen bin ich morgen wieder einige Stunden auf Vogelmonitoring und internationaler Gänsezählung.

Viele Grüße aus St. Peter
Felix

... link  


... comment